Für wen gehst du?

Johannesevangelium 13,1-16
(Übersetzung: Hoffnung für alle)

Nachdem Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hatte, sprach er zu ihnen: Ich sage euch die Wahrheit: Ein Diener steht niemals höher als sein Herr, und ein Botschafter untersteht dem, der ihn gesandt hat.

Jetzt wisst ihr das und könnt euch glücklich schätzen, wenn ihr auch danach handelt. Ich spreche nicht von euch allen; denn ich weiß, welche ich als meine Jünger ausgewählt habe. Aber was in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist, muss sich erfüllen: Einer, der mit mir zusammen das Brot isst, tritt mich mit Füßen. Schon jetzt kündige ich es euch an, damit ihr auch dann, wenn es geschieht, daran glaubt: Ich bin der, den Gott gesandt hat. Ich sage euch die Wahrheit: Wer einen Menschen aufnimmt, den ich gesandt habe, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, der nimmt den Vater auf, der mich gesandt hat.

Für wen gehst Du?“

In der Stadt Ropschitz, so erzählt eine jüdische Geschichte, pflegten die Reichen, deren Häuser einsam oder am Ende des Ortes lagen, Leute anzustellen, die nachts über ihren Besitz wachen sollten.

Als Rabbi Naftali eines Abends spät am Rande des Stadtwaldes spazieren ging, begegnete er solch einem Wächter.

„Für wen gehst du?“ fragte er ihn. Der gab Bescheid, fügte jedoch die Gegenfrage hinzu: „Und für wen geht Ihr, Rabbi?“

Diese Frage traf den Rabbi wie ein Pfeil. „Noch gehe ich für niemand“, brachte er mühsam hervor. Dann ging er lange und schweigend neben dem Wächter her. Schließlich fragte er ihn: „Willst du mein Diener werden?“ – „Das will ich gern“, antwortete jener, „aber was habe ich zu tun?“

„Mich zu erinnern“, sagte Rabbi Naftali.

Für wen gehst Du?

Diese Geschichte fiel mir ein, als ich den Vers 16 im heutigen Evangelium gelesen habe: Ein Diener steht niemals höher als sein Herr, und ein Botschafter untersteht dem, der ihn gesandt hat.

Wer hat mich gesandt? Für wen gehe ich?
Gehe ich für mich selbst?
Für eine Institution, eine Einrichtung?
Für andere?
Für wen gehe ich? Weiß ich das?

Wem fühle ich mich verbunden?
Für wen habe ich mich entschieden?
Mit wem bin ich unterwegs?
Für wen setze ich mich ein?

Mit wem teile ich meine Gedanken, meine Ideen, meine Zeit?

Vielleicht sage ich: Das ist doch klar. Ich bin getauft, ich bin Christ/in, ich lese das Wort Gottes, nehme mir Zeit für das Gebet, gehe in den Gottesdienst, richte mein Handeln nach dem Vorbild Jesu aus…

Ich gehe für den, der mich gesandt hat – für Gott, für Jesus Christus.

Für wen gehst Du?

Diese Frage dürfen wir uns immer wieder stellen und uns auch von ihr betreffen lassen.

Schwester Johanna Stocker